Rachel Harrison

 


 

 



Scanner Pro Paintings

5 November – 22 December, 2021

 

PRESSEINFO / PRESS RELEASE

(Zur deutschen Version)

 

The eight wall-mounted works on view (all 2021) were made using a new process in Harrison’s cross-medial arsenal, conspiring with a piece of consumer-grade technology put to discrepant use. Here a smartphone app for scanning documents is turned instead on everyday scenes, and software optimized to read text on a page struggles with three-dimensional space. The final works retain the idiosyncrasies of a technique beyond the artist’s control—the distorted colors and grainy passages of digital interference the app imposes on what it sees. Designed for the accurate replication of text, in Harrison’s hands the program becomes a means of abstracting the landscapes and still lifes of her surroundings: a trip to the hardware store or a neighborhood restaurant, cooking a meal or driving at night. The works both catalog the world around her and tacitly register how very different it has come to look.

 

Each Scanner Pro image has been augmented with sparse applications of paint, which rests atop its slick metallic surface with heightened physicality. Palette-knifed swipes, a handprint, and “expressive” drips appear on separate works, painted with deliberate restraint in relation to the image underneath: pinkish daubs resemble the highlights on the glistening skin of Harrison’s Chicken, and lavender swaths partially “redact” the user info in her Add a Comment. Paint is a reassertion of the human presence these works have otherwise ceded to the app. Harrison uses as little as possible—“just enough and nothing more”,she has said—to make these images her own.

 

One Scanner Pro Painting depicts a studio image of the Infanta Margarita marred by ink trails from a faulty printer; upstairs, she reappears in photos of the U.S. Capitol Rotunda on January 6th, mid-insurrection. Clipped to suspended lengths of rope and parachute cord like the proverbial dirty laundry, these doctored images join sundry objects in a thicket of string titled Hot Topic Framing Device.

Harrison’s device suggests a kind of map or diagram of the paranoid thinking that thrives online: it’s as if the Infanta had secretly led the charge to overturn a national election (trending alongside topics like JFK Jr. surviving his plane crash and plotting to be Trump’s next Vice President). Wild turkeys cross the road, obstacles abound, and democracy hangs by a thread.

 

Scanner Pro Paintings

5. November – 22. Dezember 2021

 

Die acht ausgestellten Wandarbeiten (alle aus dem Jahre 2021) wurden mit einem, im Rahmen von Harrisons medienübergreifendem Werk gänzlich neuen Verfahren, hergestellt, das eine gebräuchliche Technologie zweckentfremdet einsetzt. Eine Smartphone-App zum Scannen von Dokumenten, deren Software zum Lesen von Schrift auf planen Seiten optimiert ist und daher mit Abbildungen des dreidimensionalen Raumes ringt, wird hierbei zur Aufnahme alltäglicher Szenen eingesetzt. Die fertigen Arbeiten behalten Eigenheiten einer Technik bei, die sich der direkten Kontrolle der Künstlerin entzieht, indem sie Farben verfälscht und körnigen Passagen digitaler Interferenzen, die die App verursacht, abbildet. Entworfen zur genaue Wiedergabe von Text, wird das Programm in Harrisons Händen zu einem Mittel, um „Landschaften“ und „Stillleben“ ihrer Umgebung zu abstrahieren: ein Ausflug in den Baumarkt oder in ein Restaurant in der Nachbarschaft, das Kochen einer Mahlzeit eine nächtliche Ausfahrt im Auto. Die Werke katalogisieren die sie umgebende Welt, halten stillschweigend aber auch fest, wie verändert  diese mittlerweile aussieht.

 

Jedes Scanner Pro-Painting wurde um einige wenige Farbaufträge ergänzt, die haptisch auf der glatten metallischen Oberfläche aufliegen. Spachtelstriche, ein Handabdruck und „expressive“ Tropfen erscheinen auf den einzelnen Werken, gemalt mit bewusster Zurückhaltung in Bezug auf die darunter liegenden Bilder: Rosafarbene Kleckse betonen das Schillern der Haut von Harrisons Chicken und breite lavendelfarbene Striche „schwärzen“ die Eigennamen in der Arbeit Add a comment. Die Verwendung von Farbe unterstreicht die menschliche Präsenz, die in diesen Werken im Übrigen der App überlassen wurde.  Harrison interveniert so wenig wie möglich – „gerade genug und nicht mehr“, wie sie sagt, um sich diese Bilder anzueignen.

 

Eines der Scanner Pro-Paintings, das die Infantin Margarita zeigt ist und die Tintenspuren eines defekten Druckers trägt, wiederholt sich im Rahmen der Installation im Mezzanin der Galerie und zwar auf Fotos vom Sturm am  6. Januar auf die Rotunde des US-Kapitols. Wie die sprichwörtliche „schmutzige Wäsche“, aufgehängt an Wäsche- und Fallschirmleinen, verbinden sich diese verfälschten Bilder mit verschiedenen Objekten in einem Dickicht aus Fäden zur Arbeit Hot Topic Framing Device.

 

Harrisons Installation schlägt eine Art Diagramm oder Karte des paranoiden Denkens vor, wie es online gedeiht: Es ist, als hätte die Infantin heimlich den Aufstand um die Nationalwahl zu kippen, angeführt (ein trendiges Thema, gleichwie die Theorie JFK Jr. hätte seinen Flugzeugabsturz überlebt und würde nun Trumps neuer Vizepräsident). Wilde Truthähne überqueren eine Straße, Hindernisse gibt es zuhauf, und die Demokratie hängt an einem seidenen Faden.

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